S/W Fotografie
von Tietze Linskens | Düsseldorf |
Ein Hobbyfotograf mit eigener Dunkelkammer braucht gut und gerne für zwei, drei gute Abzüge einen halben Tag.
Wieso? Und warum dieser Aufwand, wo es doch an jeder Ecke ein Fotoladen gibt?
Es ist das Erleben vom ersten Moment des Fotografierens bis zum gelungenen Din A4-Abzuges, der einen mit Stolz erfüllt.
Das Arbeitsgerät, die Kamera, meist griffbereit für „den“ Schnappschuss( es soll aber auch schon ohne Film fotografiert worden sein) wird gehandhabt mit gleicher Selbstverständlichkeit wie der Kranführer seine Last am Haken lenkt. Anders gestaltet sich dann schon die Entwicklung. Der Film wird meist in ein Fachlabor gebracht (sicherheitshalber), entweder mit oder ohne Kontaktabzug. Zuhause beginnt bei einer Tasse Kaffee die Auswahl:
Ist die Schärfe ausreichend?
Welchen Ausschnitt wähle ich?
Mattes oder glänzendes Fotopapier?
Entwicklung mit oder ohne Filter?
Vollbild oder mit Rahmen?
Meist bestehen von einem 36er-Film maximal 10Aufnahmen diese Qualitätskontrolle.
Der nächste Schritt führt in die Dunkelkammer, eine abgetrennte Ecke im Gäste- oder Arbeitszimmer,manchmal ist es auch die in schwarz verhüllte Gästetoilette, also so etwa 3qm, eine Größe, bei der man sich selbst auf die Füße tritt und sich im Wege steht. Die drei Schalen für die notwendige Chemie (Entwickler, Essigessenz, Fixierer) stehen bereit und das Negativ wird in die Filmbühne des Vergrößerungsgerätes gelegt (ein Modell der Nachkriegszeit, erworben in einem Second-Hand-Laden). Der Probestreifen mit verschiedenen Belichtungszeiten wird erstellt, entwickelt und fixiert.
Dieses Foto zeigt die verschiedenen Entwicklungsstufen und für das endgültige S/W-Foto muss nun die richtige Wahl der Belichtungszeit getroffen werden.
Jetzt wird das große Fotopapier zurechtgelegt, mit selbst zugeschnittenem Rahmen aus schwarzem Fotokarton, und die Prozedur beginnt erneut.
Belichtungszeit einstellen und starten
Fotopapier in die Entwicklungsflüssigkeit legen
wechseln in das Stoppbad
zum Schluss hinein in das Fixierbad.
Nun nur noch wässern und gut in kaltem Wasser ausspülen und an den Kacheln im Badezimmer trocknen lassen.
Und „schon“ ist ein Foto fertig.
Mit wachsender Erfahrung gelingt auch schon mal direkt das erste Foto genauso, wie man es haben möchte. Falls nicht:
Das ganze noch einmal!
Dann aber hält man es in Händen
das eigene Foto
Ausschnitt, Belichtung, Filter und Papier individuell gewählt und daher einmalig.
Quelle und Fotos