Dampfend, brüllend und zum Fürchten begann 1804 das wichtigste Kapitel der Industrialisierung: Richard Trevithick baute in England die erste funktionstüchtige Hochdruckdampfmaschine, die Mutter aller Dampfloks. Erste Lok fuhr vor 200 Jahren Richard Trevithick erfand vor 200 Jahren die Dampflok - den Ruhm ernteten andere.Schon im Sommer 1803 hatte der englische Konstrukteur und Erfinder Richard Trevithick (1771-1833) mit ersten Entwürfen für das Wunderding begonnen. Für die bis dahin auf Pferde angewiesenen Minenbahnen in Cornwall wollte der Sohn eines Bergwerkszahlmeisters ein mechanisches Pferd, ein Dampfross, bauen.
Eine sichere Wette?Zehn Tonnen Gusseisen mit einer auf Schienen fahrenden Dampfmaschine knapp 15 Kilometer weit zu transportieren, das klang damals höchstens nach einem Romanstoff. Eine sichere Wette, dachte sich wohl jener Bergwerksbesitzer, der Trevithick die stolze Summe von 500 Guinee versprach, sollte sein tollkühnes Vorhaben gelingen.
Erfinder unternahm Jungfernfahrt selbstAm 13. Februar 1804 - andere Gelehrte datieren die Jungfernfahrt auch auf den 20. und den 28. - trat Trevithick den Beweis an: Mit dem Erfinder selbst am Steuer setzte sich schnaufend und zischend die erste Lokomotive der Welt in Bewegung.
Die Vorlage dafür war die Dampfmaschine von James Watt, die schon damals zur Legende geworden war. Benannt war das Wunderding nach dem nahe gelegenen Bergwerk Pen-y-Darran.
Zehn Tonnen, fünf Wagen, 17 Menschen "Sir, wir beförderten zehn Tonnen Eisen, fünf Wagen und 17 Menschen", schrieb Trevithick am nächsten Tag an einen Bekannten. "Es sind etwa neun Meilen (14,5 Kilometer), die wir in vier Stunden und fünf Minuten zurücklegten."
Trevithick hatte es geschafft. Für Sönke Windelschmidt vom Eisenbahnmuseum Bochum sah die "Pen-y-Darran" zwar aus wie eine "umgekippte Wassertonne mit Schornstein und Rädern" - aber sie funktionierte.
Zu schwer für PferdebahngleiseDer Erfinder hatte Watts Dampfmaschine so verbessert, dass nun ein höherer Druck im Kessel erzeugt und so der Reibungswiderstand der eisernen Schienen überwunden werden konnte. Die Höchstgeschwindigkeit betrug ganze fünf Meilen (acht Kilometer) pro Stunde. Die Schienen sollten noch für Jahre die Achillesferse der neuen Eisenbahn bleiben. Trevithicks Lok war zu schwer für die gusseisernen Pferdebahngleise der Bergwerke im Süden und Nordosten Englands. An diesem grundlegenden physikalischen Problem hat sich nichts geändert: Heutige Superzüge können ihre Rekordgeschwindigkeiten nur deshalb erreichen, weil sie mit Magnetschwebetechnik die Reibung zur Schiene verringern - mehr dazu in "Das Duell der Superzüge".
Flop mit "Fange mich, wer kann" Dass seine Erfindung auch nach 200 Jahren noch ständig weiterentwickelt wird, damit hatte Trevithick wohl nicht gerechnet: Das Interesse der Bergwerksbesitzer an seiner Dampflok erlahmte nach einer Reihe von Unfällen. 1808 ließ er in London eine Demonstrationsanlage errichten, um ein letztes Mal die Tauglichkeit seiner Lok einem breiten Publikum zu beweisen. Am Euston Square zog seine neue Lok "Catch me who can" ("Fange mich, wer kann") eine Kutsche mit 20 Kilometern pro Stunde im Kreis herum. Für einen Shilling hätte jedermann mitfahren können - aber niemand wollte.
Durchbruch erst nach TrevithickKurz bevor sich in England ein Markt für Lokomotiven auftat, brach Trevithick nach mehr als zehn Jahren seine Entwicklungsarbeit enttäuscht ab. 1813 schaffte der später berühmt gewordene Landsmann Trevithicks, George Stephenson, den kommerziellen Durchbruch, seinem ehrgeizigen Vorgänger blieb der Ruhm hingegen versagt.
Quellen:
hr-online
orf.at